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Dobermann Geschichte
Es gibt in der Welt kaum einen intelligenteren und anhänglicheren
Hund als den Dobermann und keinen der menschliche Gesellschaft und enge
partnerschaftliche Kontakte mehr liebt und schätzt. Diese Eigenschaften brachten
dem Dobermann unzählige Liebhaber in der ganzen Welt, die sich keinen besseren
Freund vorstellen können und der Rasse für immer verbunden bleiben.
Das Ursprungsland der Rasse ist
Deutschland und der Name "Dobermann" geht auf den Mann zurück, dem der größte
Anteil bei der Entstehung der Rasse zukommt. Friedrich Louis Dobermann
ist ein Sohn der
Stadt Apolda, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Weimar und Jena, mitten im
grünen Herzen Deutschlands, in Thüringen. Hier lebte Fr. L. Dobermann vom
02.01.1834 bis 09.06.1894.
Über seinen Beruf gehen die Meinungen auseinander. Die einen sagen, daß er
städtischer Hundefänger oder Abdecker gewesen sei, der herrenlos herumlaufende
Hunde in Gewahrsam zu nehmen hatte. Sein Sohn sagt dazu, daß sein Vater quasi
ein Mädchen für alles in Apolda war. Wenn ein Stück Vieh an Seuche einging,
mußte er den Kadaver mit Petroleum übergießen und Vergraben. Es war außerdem
Polizeibeamter, Bote und - wie man früher sagte - Exekutor, der fällige Steuern
einzutreiben und Pfändungen auch über Land vorzunehmen hatte. wobei es nicht
immer ruhig herging. Deshalb hatte er zu seinem Schutz immer zwei Hunde bei sich.
Als er nun trotz der beiden Hunde bei einer Gelegenheit den kürzeren zog, kam er
auf den Gedanken einen Hund zu züchten, der ihn besser schützen konnte.
Eine andere Übersetzung besagt,
daß Fr. L. Dobermann von den Stadtvätern in Apolda den Auftrag bekam, alle
herrenlos umherstreifenden Hunde einzufangen und nach drei Tagen zu töten, falls
sie bis dahin nicht von Ihren Besitzern eingelöst wurden.
Fr.
L. Dobermann hatte zwei Freunde, die ihn auch bei seiner Arbeit unterstützten.
Es waren der Rathaustürmer und der Flurwächter, im Nebenamt noch Nachtwächter,
bei den Einwohnern in Apolda unter dem Spitznamen "Paradiesvögel" bekannt. Sie
waren alle drei große Hundefreunde und sollen ein Abkommen getroffen haben,
geeignete kräftige und bissige Hunde nicht zu töten, sondern zu behalten und mit
ihnen zu züchten. Die Zuchtprodukte wollten sie außer zum eigenen Schutz auch
verkaufen und den Erlös unter sich teilen.
Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, was für Hunde damals verpaart wurden
und welche Abstammungen letztlich den Ausgangspunkt für die Entwicklund der
Rasse bildeten. Zum besseren Verstündnis ist es vielleicht besser, sich einen
Überblick über die in dieser Gegend im vorigen Jahrhundert bekannten Hunderassen
zu verschaffen.
Seit
1863 veranstaltete der "Verein zur Veredelung von Hunderassen für Thüringen"
acht Tage nach Pfingsten einen sogenannten Hundemarkt. Rassehunde waren in
dieser Zeit noch sehr selten. Die Hunde, die man auf der Straße sah, waren meist
Kreuzungen landläufiger Gebrauchshunde für Schäfer, Jäger oder Fleischer. Der
Apoldaer Verein hatte sich zum Ziel gesetzt, Hunde in Ihrem Rassewert zu
verbessern und begann sein Wirken mit Ausstellungen. Die auf diesen
Ausstellungen gezeigten Hunde unterteilten sie nach Gebrauchsklassen. Dieser
Hundemarkt war alljährlich ein großes Volksfest, an dem die ganze Bevölkerung
einschließlich studentischer Verbindungen und Trachtenvereinigungen teilnahm.
Alle Besucher konnten sich am Bier und den schon damals bekannten Thüringer
Rostbratwürsten laben und wurden dabei von einer Musikkapelle mit fröhlichen
Weisen unterhalten. Viele Verkäufer der ausgestellten Luxus-, Jagd-, Haus-,
Fleischer-, und Schäferhunde werden kaum die Idee gehabt haben, eine neue Rasse
zu züchten, sondern sie wollten lediglich Tiere mit guten Eigenschaften für den
jeweiligen Gebrauchszweck auf diesem Markt günstig verkaufen.
Es
ist möglich, daß Fr. L. Dobermann und seine beiden Freunde den gleichen Zweck
verfolgten, aber mit der Idee zur Züchtung eines Hundes für den persönlichen
Schutz einen neuen Gebrauchszweck formten und zugleich eine Marktlücke
entdeckten.
Ein
Bericht aus dem Jahre 1882 schildert die angebotenen Hunde so: .... in dem
ersten Raum, bezeichnet mit "Luxushunde", befanden sich unter anderem vier große
Pinscher (zwei davon sehr gut), in Nr. 2 fand ich einen sehr guten, glattharigen
deutschen, weiß und braun getigerten Hund mit braunem Behang, stark und gut
gebaut. Auch zwei braune Recken waren als deutsche anzusprechen, während die
übrigen - darunter vier mausgraue (diese Farbe war bei den Jagdhunden um 1860
aufgekommen) - sämtliche mehr oder weniger fremdes Blut hatten, mit meist
überwiegend deutschem Typus. Dann folgte ein grauer Vorstehhund mit
ausgesprochen deutschem Äußeren, doch zu starker Rute und großen roten
Tränenwinkeln. Ferner eine Hündin von ansprechendem Äußerem und ein Wurf von
zwei schönen Jungen, alles aus demselben Zwinger,
das
Beste, was ich an grauen Hunden sah. Der Züchter behauptete, die Hunde durch
mehrere Generationen zu kennen, teilweise zu besitzen und er hält sie für
konstant. Im anderen Zwinger waren zwölf Haushunde untergebracht, bis auf einen
Pinscher alles Schund ....
Zur
Zeit dieses Berichtes war Fr. L. Dobermann 48 Jahre alt. Wer weiß, ob nicht er
der Züchter dieser zwei schönen grauen Hunde war? Ausgeschlossen ist es sicher
nicht.
In
diesem Zusammenhang verdient ein Artikel aus dem UD vom April 1933 große
Aufmerksamkeit, der von den Herren W. Baumann, W. Kloth, Peter Umlauf und Fritz
Müller verfaßt ist und Stellung bezieht zur Entstehung des Dobermannpinschers.
Sie sind der Meinung, daß der Dobermannpinscher ursprünglich aus dem
glatthaarigen Deutschen Pinscher entstanden ist; genauso wie sein rauhaariger
Bruder, der Riesenschnauzer aus dem rauhhaarigen Pinscher, auch Schnauzer
genannt, hervorgegangen ist. Die Größenverhältnisse waren zur Entstehung der
Rasse mit den heutigen Maßen nicht vergleichbar. Aus einer Zeitschrift von 1888
"Der Hundesport, Organ für Züchter und Liebhaber reiner Rassen" erwähnen sie
eine Anzeige, nach der ein Deutscher Pinscher, schwarz mit gelben Abzeichen, als
Deckrüde angeboten wird, bei dem eine Schulterhöhe von 39 cm angegeben wird.
Verlgeicht man damit die 1898 für die Rasse angegebenen Schulterhöhen für
Dobermannpinscher, so liegen sie nicht weit auseinander: Hündinnen 40 - 45 cm,
Rüden bis 50 cm. Im Jahr 1903 werden Maße für Hündinnen bis 50 cm und für Rüden
bis 55 cm angegeben. Schon in den nächsten Jahren wurden die Maße für
Schulterhöhen auf 55 - 60 cm und dann auf 65 cm erhöht. Diese bis dahin rasante
Größenentwicklung wurde anschließend gebremst und Hutchinson`s Dog Encxclopaedia
von 1934 beschreibt die Schulterhöhe bei Rüden mit 58 - 65 cm und bei Hündinnen
zwischen 55 - 60 cm.
Die
Farben beim Deutschen Pinscher waren schwarz, braun und blau mit gelben
Abzeichen und außerdem solche in grau, in der Farbe der rauhhaarigen Pinscher. "Scharf
waren die Kerle, was ihre Zwergart heute noch beweist". Mit einer solchen grauen
Hündin soll Fr. L. Doberman zuerst gezüchtet haben. Die Verfasser des Artikels
im UD im April 1933 hatten persönlich mit dem Sohn des Herrn Dobermann,
Kriminalobersekretär Rudolf Dobermann, gesprochen, der zur Zucht seines Vaters
folgendes sagte: "Ich weiß mich zu erinnern, daß mein Vater dabei eine schwarz
graue Pinscherhündin benutzte, die verhältnismäßig groß war. Das Haar dieser
Hündin war nicht ganz kurz, auf dem Rücken schwarz , sonst grau. Wegen ihres
Unterhaars wurde sie von meinem Vater Wattenrock genannt. Als Deckrüde wurde,
glaube ich ich zu erinnern, ein schwarzer Pinscher genommen. In dem ersten Wurf
war eine Hündin, schwarz, mit allerdings für die heutige Zeit (1933) zu hellen
Abzeichen. Ich entsinne mich, daß mein Vater nach langen Jahren erzählte, daß er
sich über diesen Wurf sehr gefreut hätte. Da die obige Hündin eine anständige
Größe bekommen hatte, wurde sie zwischen 1870 und 1880 zur Zucht benutzt und
dadurch wohl eigentlich die Stammutter unserer heutigen Dobermannpinscher. Sie
hatte den Namen Bisart. In dem ersten Wurf waren auch einige blaue, die wegen
ihres grauen Unterhaares Mehlsäcke genannt wurden!"
Im
Gegensatz zu anderen Literaturangaben, die dem Sohn von Fr. L. Dobermann
ziemliche Unkenntnis nachsagen, ist dies doch eine recht detaillierte Aussage.
Die blaue Farbe trat also beim Dobermannpinscher schon in dieser frühen Phase
auf, was bei der Kenntnis der Farbenvererbung beim Dobermann auch nicht
verwunderlich ist, und man brauchte keineswegs eine Einkreuzung dänischer blauer
Doggen für diesen Zweck. Auch von Richard Strebel wurde schon 1904 geschrieben,
daß blaue Farbe stets aus Schwarz hervorgehen kann, ohne daß direktes Blau
eingekreuzt werden mußte. Ebenso unbegreiflich sieht er die Theorie einer
Einkreuzung von Jagdhunden wegen des Vorhandenseins von "intensivem schwarzem
Jagdhundhaar". Es ist keineswegs nur beim Jagdhund anzutreffen. Viel eher
spricht viel dafür, daß man, um eine reine schwarze Farbe mit klaren braunen
Abzeichen zu erhalten, zum Black und Tan-Terrier gegriffen aht. Nach Grüning
wurde zum Erreichen von rotbraunen Abzeichen ein Gordon Setter verwendet. Dies
soll allerdings weniger Farbe als vielmehl längeres Haar gebracht haben.
Eine
beachtliche Mitteilung zur Entstehung der Rasse entstammt der Kynologischen
Zeitschrift "Unsere Hunde" vom Dezember 1898: "Ende der 60er Jahre besaß der
Sandsteinbruchbesitzer Dietsch von Apolda eine mohnblaue oder mausgraue Hündin,
eine Art Pinscher, die der Besitzer von einem schwarzen Fleischerhund decken
ließ. Dieser Rüde hatte rostbraune Abzeichen und entstammte einer Kreuzung von
Schäfer- und Fleischerhund. Die Nachzucht dieser beiden Hunde, die schon zu
dieser Zeit als Hofhunde gut zu verwenden waren, kreuzte dann in späteren Jahren
der leider bereits verstorbene Abdeckereibesitzer Dobermann mit Deutschen
Pinschern. Daraus entstammt nun unser heutiger Dobermannhund, dem wir auch, da
dieser Mann nachweisbar der erste Züchter war, diesen Namen belassen wollen".
Wenn
diese Angaben stimmen, und wir brauchen an ihrer Richtigkeit nicht zu zweifeln,
so würden als Urväter des Dobermanns in erster Linie die Blutströme einer
blaugrauen Pinscherart, des schwarz-roten Fleischerhundes und des ortsansässigen
Schäferhundes in Frage kommen.
Mit der Bezeichnung Fleischerhund ist sicher der heutige
Rottweiler gemeint, für den, bevor er den Namen der Stadt Rottweill als
Rassenamen bekam, die Bezeichnungen Fleischer-, Metzger- oder Schlächterhund
üblich waren. Die Annahme, daß der Fleischerhund bei der Schaffung der neuen
Rasse beteiligt war, wird durch folgende Mitteilung von Göller verstärkt:
"Die Hunde, die ich auf den Dörfern kaufte, hatten intensives schwarzes
Jagdhundhaar und herrlich rostfarbene Abzeichen, wenig oder keine Unterwolle,
etwas Lefzen und längere Zehen. Die aus Apolda selbst wiesen mehr Schäferhund-
und Pinschertyp auf".
Erwähnenswert sind hierzu die
Ausführungen von A. H. Brace u.a., wonach es bei den Rottweilern der
Anfangsjahre zwei verschiedenen Typen gab. Danach wurde der eine Typ, der
Metzgerhund, zum Treiben der Rinder eingesetzt. Dieser Typ war beträchtlich
kleiner, leichter und mit größerer Beweglichkeit und Ausdauer ausgestattet. Der
zweite Typ eignete sich für die Arbeit als Zughund und war viel kräftiger und
größer. Auch der Kopf zeigte sich besonders beim leichten Typ länger gestreckt,
schlanker oder jagdhundartig.
Die
Urahnen des Dobermanns und des Rottweilers dürften sich in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts im Erscheinungsbild noch sehr nahe gestanden haben. Günig
sieht als einen Beweis für die Beteiligung des Rottweilers an der Entstehung der
Dobermannrasse das Auftreten von Mutzschwänzen.
Settegeast
beschreibt die Dobermänner um die Jahrhundertwende wie folgt: "Der äußere
Eindruck der Hunde um 1900 ist mir noch recht gut in Erinnerung. Fast
durchgängig waren es mehr niedrig als hochgestellte Tiere, sehr häufig eher lang
als kurz im Rücken, mit kräftigem Hals und einem sehr stark muskulösen Genick.
Hunde, die den Teufel in sich hatten und von einem unwiderstehlichen
Angriffsgeist beseelt waren. Dabei fast ausnahmslos Paßgänger". Die an Brust und
Pfoten auftretenden weißen Abzeichen, die hin und wieder auftraten, hält
Settegast für Hinweise auf Rottweilerblut. Diese weißen Flecken zeigten sich in
der Anfangszucht sehr stark, so daß Göller
dagegen wandte, solche Hunde in der Bewertung bei Ausstellungen zu strafen, wenn
das Brustweiß Fünfmarkstückgröße übersteigt, weil dann über 90 % der jetzt
geborenen Hunde ausgemerzt werden müßten.
In der ersten Zeit hatten
Dobermanns Hunde keine gute Lobby. Man fürchtete sie allgemein wegen ihrer
Schärfe, und ihre Jagdleidenschaft trug Ihnen die In-Acht-Erklärung aller Jäger
ein, die sie unbarmherzig niederknallten, sobald sie außerhalb des Gehöftes
angetroffen wurden. Daß der Dobermann Retter manchen Menschenlebens war und
manchen Vagabunden aus dem sicheren Versteck holte, wurde übergangen und kaum
belohnt. Es war eben ein Hund, den den lieben langen Tag an der Kette zu
verbringen und auf Düngerhaufen oder in erbärmlicher Hütte sein Leben zu fristen
hatte.
Richard Strebel zeigt mit ein paar Überlieferungen, welche eindrucksvollen
Charaktereigenschaften der Dobermann in der Gründerzeit hatte: "In Thüringen
werden die Dobermänner auch viel die Gendarmenhunde genannt und rührt dieser
Name daher, weil früher die Gendarmen nur solche Hunde bei sich führten, die sie
für ihre Zwecke dressierten. Auch heute haben wir noch verschiedenen gut
dressierte Gendarmenhunde, unter ihnen zum Beispiel den Rüden Troll, Besitzer
Gendarm Grobatscheck; diesen Dobermann so schreiben Hundezucht und Sport, nimmt
Grobatschek täglich mit auf seinen Rundgang, er ist zwei Jahre alt, sehr scharf,
treu, wachsam und besitzt Löwenmut. Er ist sehr folgsam und hört aufs Wort; wird
er z.B. einem Hasen nachgehetzt und der Herr ruft zurück, so läßt er sofort von
der Verfolgung ab und kommt. Auf der Jagd geht er besser als ein Jagdhund, er
ist schneller als diese im Apportieren, denn ehe andere Hunde sich versehen, hat
er das betreffende Wildbret schon geholt und unversehrt zu Füßen gelegt".
Grobatschek berichtet ferner in dem betreffenden Artikel: "Beim Fangen von
Ratten, Hamster, Iltis usw. sucht er seinesgleichen, eine große Geschicklichkeit
an den Tag legend. Bei meinen Rundgängen verstecke ich irgend einen Gegenstand,
ohne daß er es natürlich merkt, und kann ich ruhig stundenweit weggehen, er
verbringt den Gegenstand, ohne daß ich etwas anderes tue, als über den Kopf zu
streicheln, wie wenn man den Schweiß abwischt; mein Hund weiß dann sofort, daß
ich etwas verloren habe, wenngleich das auch mit Absicht geschah. Wenn
auf der Straße ein Gegenstand liegt, z.B. Papier, Glas, Stock oder was es sonst
sein mag, und ich sage: nimm das mit, so nimmt es mein Troll ohne weiteres mit.
Ein von mir in irgend einem Gasthof hinterlegter Gegenstand darf von niemand
anderem als von mir selbst weggenommen werden; auch darf sich niemand
unterstehen, mich etwa anzugreifen. Steht eine Vogelscheuche eine halbe Stunde
weit im Feld und ich sage: hol mal den Kerl, so holt ihn mein Hund ohne weiteres
her und wenn er noch so groß ist. Geht jemand eine Strecke weit vor mir her und
ich sage: halte mal da vorne fest, so darf der Betreffende keinen Schritt weiter
gehen, sondern muß solange warten, bis ich herankomme; aber trotzdem beißt Troll
nicht. Beißen tut er nur dann, wenn ich ihm sage: faß, aber dann beißt er auch
ordentlich. Des Nachts geht er ungefähr dreißig Schritte vor mir her, will
ichihn zurück haben, sobald jemand kommt, sage ich nun paß auf, so stellt er die
betreffende Person, indem er sich vor sie hinstellt, grimmig anknurrt und so
lang hält, bis ich komme. Vor kurzem hat mein Troll sechs Vagabunden aus
verschiedenen Strohballen herausgeholt und dieselben wie eine Herde Schafe vor
sich hergetrieben; sobald auch nur einer einen Fehltritt tat, holte er ihn
sofort wieder. Findet mein Hund nachts einen Igel, so trägt er denselbem mit
größter Leichtigkeit, bis ich sage: laß liegen. Auch apportiert er jeden
Gegenstand zu Wasser und zu Lande. Liegt etwas im Wasser und ich sage: hol mal
das heraus, so springt er mit einem eleganten Satz ins Wasser und holt es mir;
packt er nun etwas anderes, als das, was ich will, so brauche ich nur zu sagen:
das ist es nicht, so läßt er sofort ab und nimmt das, was ich ihm bezeichne.
Neulich holte er sogar ein totes Kalb, dasjedenfalls als Fischfutter dienen
sollte, aus dem Teich heraus. Sobald ich nach Hause komme, holt mir mein Troll,
ohne daß ich ein Wort sage, meine Pantoffeln und trägt die Stiefel weg. Er läßt
sich von niemand locken, geht zu niemand und nimmt auch von keinem Menschen
etwas, und wenn es gleich die schönste Bratwurst wäre."
Hören wir ferner Herrn Keimling in Frankroda in Thüringen, der unter anderem
folgende Leistungen seiner Hunde erzählt: "Wir kamen eines Nachts spät mit
unserem Schnupp nach Hause, angeheitert natürlich, da geht der Hund an die
Scheune heran und verbellt anhaltend und heftig. Wir ahnten nichts Gutes und
dachten gleich an Spitzbuben, die genau wußten, daß mein Bruder und ich mit dem
Dobermann ausgegangen waren; an unser frischgedroschenes Getreide, das in Säcken
frontweise untergebracht war, und siehe da, wir fanden, daß uns unsere Ahnung
nicht betrogen hatte, es fehlten zwei volle Säcke; Schnupp also roch es schon
vorher, was wir erst andern Tags gewahr werden konnten. Ein Befehl an ihn "Such
verloren", brachte bald das Gestohlene an den Tag und mit solchem auch die Diebe.
Wir verfolgten prompt die Spur, denn der Weg war uns selbstredend sehr bekannt
und fanden, von Schnupp grimmig gestellt, zwei unserer Drescher, die natürlich
schleunigst unter Eskorte die gefüllten Säcke ohne Wohlbehagen wieder an den
richtigen Plafz abliefern mußten und dann zur Anzeige kamen."
"Nicht
genug zu erzählen ist von dem Schnupp (Schnupp hießen hierorts fast alle
Dobermänner) des längst verstorbenen Gendarmen Schulz, er war dessen Verteidiger
zu Wasser und zu Lande und soll noch besser gewesen sein, als der des Herrn
Grobatschek."
Schulz saß eines Abends mit einigen Freunden in Naundorf bei Apolda in der
Schenke, als unter anderem auch wieder von seinem Schnupp gesprochen wurde, auf
den er sich bei Tag und Nacht verlassen könnte. Es wurden da haarsträubende
Manöver von dem Schnupp erzählt, die schließlich keiner der Freunde glauben
wollte. Schulz dadurch an seiner Ehre angegriffen, sagt: "Vergreift Euch an mir,
meinem Gewehr oder Helm und ihr werdet finden, daß Schnupp Euch kalt stellt, so
gut er es auch mit Euch meint, slolange ich dabei bin". Keiner wagte natürlich
seinen Gebeine mutwillig zu Markte zu tragen, bis Schulz energischer wurde und
einen Handwerksburschen, der da übernachtete, ersuchte die Flinte zu nehmen und
mit derselben als Dieb abzugehen und zwar wohin er wille. Auf ein paar Glas Bier
käme es nicht an. Der Handwerksbursche gehorchte, nahm, nachdem Schnupp kurze
Zeit entfernt war, die Flinte von der Wand und ging ab. Schnupp wurde wieder
hereingeführt und die Unterhaltung ging ruhig weiter, bis ungefähr nach einer
halben Stunde Schulz erstaunt ausruft: Schnupp, hast du aufgepaßt? Mir fehlt
mein Gewehr, das ist gestohlen! Schnupp, eins, zwei, drei sieht nach dem leeren
Nagel, an dem die Flinte hing, und fort ging es, indem er natürlich den Drücker
der Tür selbst in Bewegung setzt. Nach gar nicht langer Zeit kam er wieder und
brachte den Dieb mit. Er hatte denelben gestellt und brachte ihn zurück.
Derselbe Hund ging, als er alt und krank war, in den Besitz des Herrn Keimling
über, der nebenbei auch Viehdoktor war. Keimling kurierte den Schnupp und aus
Dankbarkeit überließ Schulz den Schnupp Keimling umsonst.
Schnupp hatte bei seinem neuen Herrn den Auftrag, täglich beim Fleischer Wurst
und Fleisch zu holen. Schnupp bekam einfach einen Hängekorb mit beschriebenem
Zettel, und pünktlich kehrte er weider zurück. Diese Gelehrigkeit des Hundes
ärgerte am meisten den Ortsbürgermeister, welcher auch einen Hund hatte und zwar
einen Jagdhund, der allerdings nicht so gescheit, aber dafür bissiger war. So
konnten sich Schnupp und der Jagdhund nicht vertragen, und beim Beißen mußte
stets letzterer unterliegen, worüber sich natürlich Keimling freute, ws den
Bürgermeister aber auf Rache sinnen ließ. Eines Tages gab es frische Wurst und
Schnupp erhielt den Auftrag einzukaufen. Auf dem Heimweg sieht ihn der
Bürgermeister, der gerade am Fenster sitzt. Die Gelegenheit, sich zu rächen, ist
da, sogar doppelte Gelegenheit, denn auch Keimling sollte heute keine frische
Wurst essen, dafür wird sein Hund schon sorgen. Lord faß erschallt das Kommando,
als Schnupp gravitätisch mit seinem Korb ankommt. Nicht lange und die beiden
Köter liegen sich furchtbar in den Haaren, die Wurst liegt länst im Schmutz;
Sieger aber bleibt Schnupp. Der Jagdhund muß mit blutigem Kopfe ohne Wurst
abziehen, denn dieselbe fraß Schnupp. Mit leerem Korb kam Schnupp zu Hause an,
zum Erstaunen seines Herrn, der sich aber die Sachlage leicht erklären konnte."
Soviel zu den Anekdoten mi den ersten Dobermännern.
Friedrich-Louis Dobermann war der erste Züchter dieser schneidigen Hunde, die
später seinen Namen tragen sollten. Der Rasse zur Anerkennung und weltweiten
Verbreitung verholfen zu haben, ist jedoch unstreitbares Verdienst von Otto
Göller,
Apolda.
 


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