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Dobermann Geschichte

 

 

Es gibt in der Welt kaum einen intelligenteren und anhänglicheren Hund als den Dobermann und keinen der menschliche Gesellschaft und enge partnerschaftliche Kontakte mehr liebt und schätzt. Diese Eigenschaften brachten dem Dobermann unzählige Liebhaber in der ganzen Welt, die sich keinen besseren Freund vorstellen können und der Rasse für immer verbunden bleiben.

Das Ursprungsland der Rasse ist Deutschland und der Name "Dobermann" geht auf den Mann zurück, dem der größte Anteil bei der Entstehung der Rasse zukommt. Friedrich Louis Dobermann
ist ein Sohn der Stadt Apolda, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Weimar und Jena, mitten im grünen Herzen Deutschlands, in Thüringen. Hier lebte Fr. L. Dobermann vom 02.01.1834 bis 09.06.1894. Über seinen Beruf gehen die Meinungen auseinander. Die einen sagen, daß er städtischer Hundefänger oder Abdecker gewesen sei, der herrenlos herumlaufende Hunde in Gewahrsam zu nehmen hatte. Sein Sohn sagt dazu, daß sein Vater quasi ein Mädchen für alles in Apolda war. Wenn ein Stück Vieh an Seuche einging, mußte er den Kadaver mit Petroleum übergießen und Vergraben. Es war außerdem Polizeibeamter, Bote und - wie man früher sagte - Exekutor, der fällige Steuern einzutreiben und Pfändungen auch über Land vorzunehmen hatte. wobei es nicht immer ruhig herging. Deshalb hatte er zu seinem Schutz immer zwei Hunde bei sich. Als er nun trotz der beiden Hunde bei einer Gelegenheit den kürzeren zog, kam er auf den Gedanken einen Hund zu züchten, der ihn besser schützen konnte.

Eine andere Übersetzung besagt, daß Fr. L. Dobermann von den Stadtvätern in Apolda den Auftrag bekam, alle herrenlos umherstreifenden Hunde einzufangen und nach drei Tagen zu töten, falls sie bis dahin nicht von Ihren Besitzern eingelöst wurden.

Fr. L. Dobermann hatte zwei Freunde, die ihn auch bei seiner Arbeit unterstützten. Es waren der Rathaustürmer und der Flurwächter, im Nebenamt noch Nachtwächter, bei den Einwohnern in Apolda unter dem Spitznamen "Paradiesvögel" bekannt. Sie waren alle drei große Hundefreunde und sollen ein Abkommen getroffen haben, geeignete kräftige und bissige Hunde nicht zu töten, sondern zu behalten und mit ihnen zu züchten. Die Zuchtprodukte wollten sie außer zum eigenen Schutz auch verkaufen und den Erlös unter sich teilen.

Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, was für Hunde damals verpaart wurden und welche Abstammungen letztlich den Ausgangspunkt für die Entwicklund der Rasse bildeten. Zum besseren Verstündnis ist es vielleicht besser, sich einen Überblick über die in dieser Gegend im vorigen Jahrhundert bekannten Hunderassen zu verschaffen.

Seit 1863 veranstaltete der "Verein zur Veredelung von Hunderassen für Thüringen" acht Tage nach Pfingsten einen sogenannten Hundemarkt. Rassehunde waren in dieser Zeit noch sehr selten. Die Hunde, die man auf der Straße sah, waren meist Kreuzungen landläufiger Gebrauchshunde für Schäfer, Jäger oder Fleischer. Der Apoldaer Verein hatte sich zum Ziel gesetzt, Hunde in Ihrem Rassewert zu verbessern und begann sein Wirken mit Ausstellungen. Die auf diesen Ausstellungen gezeigten Hunde unterteilten sie nach Gebrauchsklassen. Dieser Hundemarkt war alljährlich ein großes Volksfest, an dem die ganze Bevölkerung einschließlich studentischer Verbindungen und Trachtenvereinigungen teilnahm. Alle Besucher konnten sich am Bier und den schon damals bekannten Thüringer Rostbratwürsten laben und wurden dabei von einer Musikkapelle mit fröhlichen Weisen unterhalten. Viele Verkäufer der ausgestellten Luxus-, Jagd-, Haus-, Fleischer-, und Schäferhunde werden kaum die Idee gehabt haben, eine neue Rasse zu züchten, sondern sie wollten lediglich Tiere mit guten Eigenschaften für den jeweiligen Gebrauchszweck auf diesem Markt günstig verkaufen.

Es ist möglich, daß Fr. L. Dobermann und seine beiden Freunde den gleichen Zweck verfolgten, aber mit der Idee zur Züchtung eines Hundes für den persönlichen Schutz einen neuen Gebrauchszweck formten und zugleich eine Marktlücke entdeckten.

Ein Bericht aus dem Jahre 1882 schildert die angebotenen Hunde so: .... in dem ersten Raum, bezeichnet mit "Luxushunde", befanden sich unter anderem vier große Pinscher (zwei davon sehr gut), in Nr. 2 fand ich einen sehr guten, glattharigen deutschen, weiß und braun getigerten Hund mit braunem Behang, stark und gut gebaut. Auch zwei braune Recken waren als deutsche anzusprechen, während die übrigen - darunter vier mausgraue (diese Farbe war bei den Jagdhunden um 1860 aufgekommen) - sämtliche mehr oder weniger fremdes Blut hatten, mit meist überwiegend deutschem Typus. Dann folgte ein grauer Vorstehhund mit ausgesprochen deutschem Äußeren, doch zu starker Rute und großen roten Tränenwinkeln. Ferner eine Hündin von ansprechendem Äußerem und ein Wurf von zwei schönen Jungen, alles aus demselben Zwinger,
das Beste, was ich an grauen Hunden sah. Der Züchter behauptete, die Hunde durch mehrere Generationen zu kennen, teilweise zu besitzen und er hält sie für konstant. Im anderen Zwinger waren zwölf Haushunde untergebracht, bis auf einen Pinscher alles Schund ....

Zur Zeit dieses Berichtes war Fr. L. Dobermann 48 Jahre alt. Wer weiß, ob nicht er der Züchter dieser zwei schönen grauen Hunde war? Ausgeschlossen ist es sicher nicht.

In diesem Zusammenhang verdient ein Artikel aus dem UD vom April 1933 große Aufmerksamkeit, der von den Herren W. Baumann, W. Kloth, Peter Umlauf und Fritz Müller verfaßt ist und Stellung bezieht zur Entstehung des Dobermannpinschers. Sie sind der Meinung, daß der Dobermannpinscher ursprünglich aus dem glatthaarigen Deutschen Pinscher entstanden ist; genauso wie sein rauhaariger Bruder, der Riesenschnauzer aus dem rauhhaarigen Pinscher, auch Schnauzer genannt, hervorgegangen ist. Die Größenverhältnisse waren zur Entstehung der Rasse mit den heutigen Maßen nicht vergleichbar. Aus einer Zeitschrift von 1888 "Der Hundesport, Organ für Züchter und Liebhaber reiner Rassen" erwähnen sie eine Anzeige, nach der ein Deutscher Pinscher, schwarz mit gelben Abzeichen, als Deckrüde angeboten wird, bei dem eine Schulterhöhe von 39 cm angegeben wird. Verlgeicht man damit die 1898 für die Rasse angegebenen Schulterhöhen für Dobermannpinscher, so liegen sie nicht weit auseinander: Hündinnen 40 - 45 cm, Rüden bis 50 cm. Im Jahr 1903 werden Maße für Hündinnen bis 50 cm und für Rüden bis 55 cm angegeben. Schon in den nächsten Jahren wurden die Maße für Schulterhöhen auf 55 - 60 cm und dann auf 65 cm erhöht. Diese bis dahin rasante Größenentwicklung wurde anschließend gebremst und Hutchinson`s Dog Encxclopaedia von 1934 beschreibt die Schulterhöhe bei Rüden mit 58 - 65 cm und bei Hündinnen zwischen 55 - 60 cm.

Die Farben beim Deutschen Pinscher waren schwarz, braun und blau mit gelben Abzeichen und außerdem solche in grau, in der Farbe der rauhhaarigen Pinscher. "Scharf waren die Kerle, was ihre Zwergart heute noch beweist". Mit einer solchen grauen Hündin soll Fr. L. Doberman zuerst gezüchtet haben. Die Verfasser des Artikels im UD im April 1933 hatten persönlich mit dem Sohn des Herrn Dobermann, Kriminalobersekretär Rudolf Dobermann, gesprochen, der zur Zucht seines Vaters folgendes sagte: "Ich weiß mich zu erinnern, daß mein Vater dabei eine schwarz graue Pinscherhündin benutzte, die verhältnismäßig groß war. Das Haar dieser Hündin war nicht ganz kurz, auf dem Rücken schwarz , sonst grau. Wegen ihres Unterhaars wurde sie von meinem Vater Wattenrock genannt. Als Deckrüde wurde, glaube ich ich zu erinnern, ein schwarzer Pinscher genommen. In dem ersten Wurf war eine Hündin, schwarz, mit allerdings für die heutige Zeit (1933) zu hellen Abzeichen. Ich entsinne mich, daß mein Vater nach langen Jahren erzählte, daß er sich über diesen Wurf sehr gefreut hätte. Da die obige Hündin eine anständige Größe bekommen hatte, wurde sie zwischen 1870 und 1880 zur Zucht benutzt und dadurch wohl eigentlich die Stammutter unserer heutigen Dobermannpinscher. Sie hatte den Namen Bisart. In dem ersten Wurf waren auch einige blaue, die wegen ihres grauen Unterhaares Mehlsäcke genannt wurden!"

Im Gegensatz zu anderen Literaturangaben, die dem Sohn von Fr. L. Dobermann ziemliche Unkenntnis nachsagen, ist dies doch eine recht detaillierte Aussage. Die blaue Farbe trat also beim Dobermannpinscher schon in dieser frühen Phase auf, was bei der Kenntnis der Farbenvererbung beim Dobermann auch nicht verwunderlich ist, und man brauchte keineswegs eine Einkreuzung dänischer blauer Doggen für diesen Zweck. Auch von Richard Strebel wurde schon 1904 geschrieben, daß blaue Farbe stets aus Schwarz hervorgehen kann, ohne daß direktes Blau eingekreuzt werden mußte. Ebenso unbegreiflich sieht er die Theorie einer Einkreuzung von Jagdhunden wegen des Vorhandenseins von "intensivem schwarzem Jagdhundhaar". Es ist keineswegs nur beim Jagdhund anzutreffen. Viel eher spricht viel dafür, daß man, um eine reine schwarze Farbe mit klaren braunen Abzeichen zu erhalten, zum Black und Tan-Terrier gegriffen aht. Nach Grüning wurde zum Erreichen von rotbraunen Abzeichen ein Gordon Setter verwendet. Dies soll allerdings weniger Farbe als vielmehl längeres Haar gebracht haben.

Eine beachtliche Mitteilung zur Entstehung der Rasse entstammt der Kynologischen Zeitschrift "Unsere Hunde" vom Dezember 1898: "Ende der 60er Jahre besaß der Sandsteinbruchbesitzer Dietsch von Apolda eine mohnblaue oder mausgraue Hündin, eine Art Pinscher, die der Besitzer von einem schwarzen Fleischerhund decken ließ. Dieser Rüde hatte rostbraune Abzeichen und entstammte einer Kreuzung von Schäfer- und Fleischerhund. Die Nachzucht dieser beiden Hunde, die schon zu dieser Zeit als Hofhunde gut zu verwenden waren, kreuzte dann in späteren Jahren der leider bereits verstorbene Abdeckereibesitzer Dobermann mit Deutschen Pinschern. Daraus entstammt nun unser heutiger Dobermannhund, dem wir auch, da dieser Mann nachweisbar der erste Züchter war, diesen Namen belassen wollen".

Wenn diese Angaben stimmen, und wir brauchen an ihrer Richtigkeit nicht zu zweifeln, so würden als Urväter des Dobermanns in erster Linie die Blutströme einer blaugrauen Pinscherart, des schwarz-roten Fleischerhundes und des ortsansässigen Schäferhundes in Frage kommen.

Mit der Bezeichnung Fleischerhund ist sicher der heutige Rottweiler gemeint, für den, bevor er den Namen der Stadt Rottweill als Rassenamen bekam, die Bezeichnungen Fleischer-, Metzger- oder Schlächterhund üblich waren. Die Annahme, daß der Fleischerhund bei der Schaffung der neuen Rasse beteiligt war, wird durch folgende Mitteilung von Göller verstärkt: "Die Hunde, die ich auf den Dörfern kaufte, hatten intensives schwarzes Jagdhundhaar und herrlich rostfarbene Abzeichen, wenig oder keine Unterwolle, etwas Lefzen und längere Zehen. Die aus Apolda selbst wiesen mehr Schäferhund- und Pinschertyp auf".

Erwähnenswert sind hierzu die Ausführungen von A. H. Brace u.a., wonach es bei den Rottweilern der Anfangsjahre zwei verschiedenen Typen gab. Danach wurde der eine Typ, der Metzgerhund, zum Treiben der Rinder eingesetzt. Dieser Typ war beträchtlich kleiner, leichter und mit größerer Beweglichkeit und Ausdauer ausgestattet. Der zweite Typ eignete sich für die Arbeit als Zughund und war viel kräftiger und größer. Auch der Kopf zeigte sich besonders beim leichten Typ länger gestreckt, schlanker oder jagdhundartig.

Die Urahnen des Dobermanns und des Rottweilers dürften sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Erscheinungsbild noch sehr nahe gestanden haben. Günig sieht als einen Beweis für die Beteiligung des Rottweilers an der Entstehung der Dobermannrasse das Auftreten von Mutzschwänzen.

Settegeast beschreibt die Dobermänner um die Jahrhundertwende wie folgt: "Der äußere Eindruck der Hunde um 1900 ist mir noch recht gut in Erinnerung. Fast durchgängig waren es mehr niedrig als hochgestellte Tiere, sehr häufig eher lang als kurz im Rücken, mit kräftigem Hals und einem sehr stark muskulösen Genick. Hunde, die den Teufel in sich hatten und von einem unwiderstehlichen Angriffsgeist beseelt waren. Dabei fast ausnahmslos Paßgänger". Die an Brust und Pfoten auftretenden weißen Abzeichen, die hin und wieder auftraten, hält Settegast für Hinweise auf Rottweilerblut. Diese weißen Flecken zeigten sich in der Anfangszucht sehr stark, so daß Göller dagegen wandte, solche Hunde in der Bewertung bei Ausstellungen zu strafen, wenn das Brustweiß Fünfmarkstückgröße übersteigt, weil dann über 90 % der jetzt geborenen Hunde ausgemerzt werden müßten.

In der ersten Zeit hatten Dobermanns Hunde keine gute Lobby. Man fürchtete sie allgemein wegen ihrer Schärfe, und ihre Jagdleidenschaft trug Ihnen die In-Acht-Erklärung aller Jäger ein, die sie unbarmherzig niederknallten, sobald sie außerhalb des Gehöftes angetroffen wurden. Daß der Dobermann Retter manchen Menschenlebens war und manchen Vagabunden aus dem sicheren Versteck holte, wurde übergangen und kaum belohnt. Es war eben ein Hund, den den lieben langen Tag an der Kette zu verbringen und auf Düngerhaufen oder in erbärmlicher Hütte sein Leben zu fristen hatte.

Richard Strebel zeigt mit ein paar Überlieferungen, welche eindrucksvollen Charaktereigenschaften der Dobermann in der Gründerzeit hatte: "In Thüringen werden die Dobermänner auch viel die Gendarmenhunde genannt und rührt dieser Name daher, weil früher die Gendarmen nur solche Hunde bei sich führten, die sie für ihre Zwecke dressierten. Auch heute haben wir noch verschiedenen gut dressierte Gendarmenhunde, unter ihnen zum Beispiel den Rüden Troll, Besitzer Gendarm Grobatscheck; diesen Dobermann so schreiben Hundezucht und Sport, nimmt Grobatschek täglich mit auf seinen Rundgang, er ist zwei Jahre alt, sehr scharf, treu, wachsam und besitzt Löwenmut. Er ist sehr folgsam und hört aufs Wort; wird er z.B. einem Hasen nachgehetzt und der Herr ruft zurück, so läßt er sofort von der Verfolgung ab und kommt. Auf der Jagd geht er besser als ein Jagdhund, er ist schneller als diese im Apportieren, denn ehe andere Hunde sich versehen, hat er das betreffende Wildbret schon geholt und unversehrt zu Füßen gelegt".

Grobatschek berichtet ferner in dem betreffenden Artikel: "Beim Fangen von Ratten, Hamster, Iltis usw. sucht er seinesgleichen, eine große Geschicklichkeit an den Tag legend. Bei meinen Rundgängen verstecke ich irgend einen Gegenstand, ohne daß er es natürlich merkt, und kann ich ruhig stundenweit weggehen, er verbringt den Gegenstand, ohne daß ich etwas anderes tue, als über den Kopf zu streicheln, wie wenn man den Schweiß abwischt; mein Hund weiß dann sofort, daß ich etwas verloren habe, wenngleich das auch mit Absicht geschah. Wenn auf der Straße ein Gegenstand liegt, z.B. Papier, Glas, Stock oder was es sonst sein mag, und ich sage: nimm das mit, so nimmt es mein Troll ohne weiteres mit. Ein von mir in irgend einem Gasthof hinterlegter Gegenstand darf von niemand anderem als von mir selbst weggenommen werden; auch darf sich niemand unterstehen, mich etwa anzugreifen. Steht eine Vogelscheuche eine halbe Stunde weit im Feld und ich sage: hol mal den Kerl, so holt ihn mein Hund ohne weiteres her und wenn er noch so groß ist. Geht jemand eine Strecke weit vor mir her und ich sage: halte mal da vorne fest, so darf der Betreffende keinen Schritt weiter gehen, sondern muß solange warten, bis ich herankomme; aber trotzdem beißt Troll nicht. Beißen tut er nur dann, wenn ich ihm sage: faß, aber dann beißt er auch ordentlich. Des Nachts geht er ungefähr dreißig Schritte vor mir her, will ichihn zurück haben, sobald jemand kommt, sage ich nun paß auf, so stellt er die betreffende Person, indem er sich vor sie hinstellt, grimmig anknurrt und so lang hält, bis ich komme. Vor kurzem hat mein Troll sechs Vagabunden aus verschiedenen Strohballen herausgeholt und dieselben wie eine Herde Schafe vor sich hergetrieben; sobald auch nur einer einen Fehltritt tat, holte er ihn sofort wieder. Findet mein Hund nachts einen Igel, so trägt er denselbem mit größter Leichtigkeit, bis ich sage: laß liegen. Auch apportiert er jeden Gegenstand zu Wasser und zu Lande. Liegt etwas im Wasser und ich sage: hol mal das heraus, so springt er mit einem eleganten Satz ins Wasser und holt es mir; packt er nun etwas anderes, als das, was ich will, so brauche ich nur zu sagen: das ist es nicht, so läßt er sofort ab und nimmt das, was ich ihm bezeichne. Neulich holte er sogar ein totes Kalb, dasjedenfalls als Fischfutter dienen sollte, aus dem Teich heraus. Sobald ich nach Hause komme, holt mir mein Troll, ohne daß ich ein Wort sage, meine Pantoffeln und trägt die Stiefel weg. Er läßt sich von niemand locken, geht zu niemand und nimmt auch von keinem Menschen etwas, und wenn es gleich die schönste Bratwurst wäre."

Hören wir ferner Herrn Keimling in Frankroda in Thüringen, der unter anderem folgende Leistungen seiner Hunde erzählt: "Wir kamen eines Nachts spät mit unserem Schnupp nach Hause, angeheitert natürlich, da geht der Hund an die Scheune heran und verbellt anhaltend und heftig. Wir ahnten nichts Gutes und dachten gleich an Spitzbuben, die genau wußten, daß mein Bruder und ich mit dem Dobermann ausgegangen waren; an unser frischgedroschenes Getreide, das in Säcken frontweise untergebracht war, und siehe da, wir fanden, daß uns unsere Ahnung nicht betrogen hatte, es fehlten zwei volle Säcke; Schnupp also roch es schon vorher, was wir erst andern Tags gewahr werden konnten. Ein Befehl an ihn "Such verloren", brachte bald das Gestohlene an den Tag und mit solchem auch die Diebe. Wir verfolgten prompt die Spur, denn der Weg war uns selbstredend sehr bekannt und fanden, von Schnupp grimmig gestellt, zwei unserer Drescher, die natürlich schleunigst unter Eskorte die gefüllten Säcke ohne Wohlbehagen wieder an den richtigen Plafz abliefern mußten und dann zur Anzeige kamen."

"Nicht genug zu erzählen ist von dem Schnupp (Schnupp hießen hierorts fast alle Dobermänner) des längst verstorbenen Gendarmen Schulz, er war dessen Verteidiger zu Wasser und zu Lande und soll noch besser gewesen sein, als der des Herrn Grobatschek."

Schulz saß eines Abends mit einigen Freunden in Naundorf bei Apolda in der Schenke, als unter anderem auch wieder von seinem Schnupp gesprochen wurde, auf den er sich bei Tag und Nacht verlassen könnte. Es wurden da haarsträubende Manöver von dem Schnupp erzählt, die schließlich keiner der Freunde glauben wollte. Schulz dadurch an seiner Ehre angegriffen, sagt: "Vergreift Euch an mir, meinem Gewehr oder Helm und ihr werdet finden, daß Schnupp Euch kalt stellt, so gut er es auch mit Euch meint, slolange ich dabei bin". Keiner wagte natürlich seinen Gebeine mutwillig zu Markte zu tragen, bis Schulz energischer wurde und einen Handwerksburschen, der da übernachtete, ersuchte die Flinte zu nehmen und mit derselben als Dieb abzugehen und zwar wohin er wille. Auf ein paar Glas Bier käme es nicht an. Der Handwerksbursche gehorchte, nahm, nachdem Schnupp kurze Zeit entfernt war, die Flinte von der Wand und ging ab. Schnupp wurde wieder hereingeführt und die Unterhaltung ging ruhig weiter, bis ungefähr nach einer halben Stunde Schulz erstaunt ausruft: Schnupp, hast du aufgepaßt? Mir fehlt mein Gewehr, das ist gestohlen! Schnupp, eins, zwei, drei sieht nach dem leeren Nagel, an dem die Flinte hing, und fort ging es, indem er natürlich den Drücker der Tür selbst in Bewegung setzt. Nach gar nicht langer Zeit kam er wieder und brachte den Dieb mit. Er hatte denelben gestellt und brachte ihn zurück.

Derselbe Hund ging, als er alt und krank war, in den Besitz des Herrn Keimling über, der nebenbei auch Viehdoktor war. Keimling kurierte den Schnupp und aus Dankbarkeit überließ Schulz den Schnupp Keimling umsonst.

Schnupp hatte bei seinem neuen Herrn den Auftrag, täglich beim Fleischer Wurst und Fleisch zu holen. Schnupp bekam einfach einen Hängekorb mit beschriebenem Zettel, und pünktlich kehrte er weider zurück. Diese Gelehrigkeit des Hundes ärgerte am meisten den Ortsbürgermeister, welcher auch einen Hund hatte und zwar einen Jagdhund, der allerdings nicht so gescheit, aber dafür bissiger war. So konnten sich Schnupp und der Jagdhund nicht vertragen, und beim Beißen mußte stets letzterer unterliegen, worüber sich natürlich Keimling freute, ws den Bürgermeister aber auf Rache sinnen ließ. Eines Tages gab es frische Wurst und Schnupp erhielt den Auftrag einzukaufen. Auf dem Heimweg sieht ihn der Bürgermeister, der gerade am Fenster sitzt. Die Gelegenheit, sich zu rächen, ist da, sogar doppelte Gelegenheit, denn auch Keimling sollte heute keine frische Wurst essen, dafür wird sein Hund schon sorgen. Lord faß erschallt das Kommando, als Schnupp gravitätisch mit seinem Korb ankommt. Nicht lange und die beiden Köter liegen sich furchtbar in den Haaren, die Wurst liegt länst im Schmutz; Sieger aber bleibt Schnupp. Der Jagdhund muß mit blutigem Kopfe ohne Wurst abziehen, denn dieselbe fraß Schnupp. Mit leerem Korb kam Schnupp zu Hause an, zum Erstaunen seines Herrn, der sich aber die Sachlage leicht erklären konnte."

Soviel zu den Anekdoten mi den ersten Dobermännern. Friedrich-Louis Dobermann war der erste Züchter dieser schneidigen Hunde, die später seinen Namen tragen sollten. Der Rasse zur Anerkennung und weltweiten Verbreitung verholfen zu haben, ist jedoch unstreitbares Verdienst von Otto Göller, Apolda.

    

 

 

 

 

 

 

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